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Warum kommen Antworten gerade dann, wenn du aufhörst, nach ihnen zu suchen?

Weil Anstrengung und Empfangen zwei verschiedene Modi sind und sich nur einer davon erzwingen lässt. Armin Risi betont, dass auch der Forscher zuerst den Boden bereiten muss. Nur der letzte Schritt kommt eben nicht auf Kommando.

Menschen, die eher mit Eingebung als mit Analyse arbeiten, beschreiben meist denselben Mechanismus, und er ist nicht das, was Produktivitätsratgeber erwarten lassen würden.

Zwei Modi, von denen sich nur einer erzwingen lässt

Armin Risi, der achtzehn Jahre als Mönch lebte und seit drei Jahrzehnten Sachbücher schreibt, beschreibt es als zwei Modi. Der eine ist aktiv: das, was du durch eigene Anstrengung hervorbringen kannst, indem du direkt an einem Problem arbeitest. Der andere ist empfangend: das, was kommt, wenn du aufhörst zu drücken. Seine Beobachtung ist, dass die meisten bedeutenden Erkenntnisse, auch in der Wissenschaft, über den zweiten Modus kommen. Der Forscher arbeitet und arbeitet und findet die Lösung nicht, dann geht er spazieren oder nimmt ein Bad, und die Antwort kommt genau in dem Moment, in dem er nicht nach ihr sucht. Das, sagt Risi, war keine intellektuelle Leistung.

Seine Einschränkung ist genauso wichtig wie die Aussage selbst. Der empfangende Modus funktioniert nicht, ohne dass vorher der aktive am Werk war. Der Physiker bekommt die Formel und du nicht, weil er den Boden bereitet hat. Die Anstrengung schafft die Voraussetzungen, nur liefert sie den letzten Schritt nicht auf Bestellung.

Dasselbe im Alltag

Jacqueline Le Saunier beschreibt es anhand ihrer To-do-Liste. Wenn die von oben bis unten über die ganze Seite reicht und das Ganze unmöglich wirkt, tut sie erst einmal zwei, drei Minuten lang gar nichts. Sie erzählt, dass die Arbeit danach leichter geht und sich manche Punkte auf eine Weise erledigen, die sie gar nicht selbst eingefädelt hat. Sie grenzt das von Meditation als Disziplin ab: Mit dem Hund rausgehen zählt, auf dem Bett liegen und nichts tun zählt. Wenn ihre Kinder sich über Langeweile beschweren, sieht sie das als gute Nachricht.

Innehalten ist kein Aufschieben

Der Unterschied liegt darin, ob du die Arbeit schon gemacht hast. Wer pausiert, bevor er sich überhaupt auf etwas eingelassen hat, weicht aus. Wer danach pausiert, gibt dem zweiten Modus eine Chance. Und die Form ist weniger wichtig, als dass es kein Ziel gibt. Wenn du Stille zu einer weiteren Aufgabe mit Zielvorgabe machst, nimmst du ihr genau das, worum es geht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Mach zuerst die direkte Arbeit. Der empfangende Modus braucht vorbereiteten Boden.
  • Hör bewusst auf, wenn du feststeckst, statt noch stärker zu drücken.
  • Halte die Pause frei von jedem Ziel, sonst wird sie zur nächsten Aufgabe.
  • Schon zwei, drei Minuten sind einen Versuch wert.

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